Frankfurt rüstet sich gegen Starkregen und Hochwasser

07.07.2026
Von Bernd Günther


Klimawandel erhöht Risiken / Stadt baut Schutz weiter aus und gibt Tipps für Eigenvorsorge 

FRANKFURT - Die Stadt reagiert auf die zunehmenden Folgen des Klimawandels und verstärkt ihre Maßnahmen gegen Hochwasser und Starkregen. Ein aktueller Statusbericht des Magistrats zeigt, welche Projekte bereits umgesetzt wurden, welche derzeit laufen und welche künftig geplant sind. Ziel ist es, die Auswirkungen von Überflutungen zu begrenzen und die Mainmetropole widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterereignissen zu machen.

Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Nach einem Starkregenereignis im Stadtteil Seckbach verwandelten sich im Mai 2024 Straßen in Bäche. Die Schäden infolge überfluteter Keller und verstopfter Kanäle im Stadtteil waren erheblich. Foto: MAXLOK MEDIA

Heftige Starkregenfälle haben in den vergangenen Jahren wiederholt Straßen, Unterführungen und Keller in Frankfurt überflutet. Gleichzeitig steigen die Risiken durch Hochwasser an Flüssen und Bächen. Nach Einschätzung der Stadt werden solche Wetterlagen künftig häufiger auftreten. Deshalb verfolgt Frankfurt ein umfassendes Risikomanagement, das technische Schutzmaßnahmen mit einer klimaangepassten Stadtentwicklung verbindet.

Zusätzliche Rückhalteflächen sollen Schutz bieten

Zum Maßnahmenpaket gehören der Ausbau von Hochwasserschutzanlagen, zusätzliche Rückhalteflächen für Regenwasser sowie moderne Informations- und Frühwarnsysteme. Ein lokales Starkregenfrühwarnsystem befindet sich derzeit im Aufbau. Mithilfe von Sensoren und digitalen Modellen sollen Überflutungen künftig früher erkannt und Vorwarnzeiten verbessert werden. Parallel hat die Branddirektion ihre Alarm- und Einsatzpläne aktualisiert und mobile Hochwasserschutzsysteme erweitert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Konzept der sogenannten Schwammstadt. Regenwasser soll möglichst dort aufgenommen, gespeichert oder versickert werden, wo es anfällt. Dazu setzt die Stadt unter anderem auf Entsiegelungen, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie neue Retentionsflächen.

Auch der naturnahe Ausbau von Main und Nidda soll den Flüssen wieder mehr Raum geben und Hochwasserspitzen abmildern.

Im Seckbacher Huthpark soll Regenwasser zurückgehalten werden

Bereits umgesetzt wurden zahlreiche Projekte im Stadtgebiet. So entstanden in Quartieren wie Riedberg oder Edwards Garden Regenwasserkonzepte mit Rückhalteflächen. Mehr als 18 Kilometer Grüngleise tragen dazu bei, Niederschläge aufzunehmen und zu verdunsten. Im Huthpark in Seckbach wird derzeit ein Konzept entwickelt, um Starkregenwasser gezielt zurückzuhalten und angrenzende Wohngebiete besser zu schützen. Im Frankfurter Stadtwald wurden rund 20 Wasserrückhaldemulden angelegt, die Regenwasser kontrolliert versickern lassen.
 
Auch an besonders gefährdeten Standorten wurden konkrete Maßnahmen umgesetzt. Am Südbahnhof installierte die Stadt neue Schlitzrinnen und zusätzliche Schutzvorrichtungen an den Zugängen, um große Wassermengen gezielt abzuleiten. Gleichzeitig werden bei Straßenumbauten und Sanierungen verstärkt Flächen entsiegelt und begrünt, um die Aufnahme von Regenwasser zu verbessern.
 

Bürger zur Eigenvorsorge angehalten

Neben baulichen Maßnahmen setzt die Stadt verstärkt auf Information und Eigenvorsorge. Bürger können im Geoportal der Stadt prüfen, ob ihre Adresse von Hochwasser oder Starkregen betroffen sein könnte. Die Starkregengefahrenkarte zeigt mögliche Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten und wurde seit ihrer Einführung 2021 bereits mehr als zehn Millionen Mal aufgerufen. Künftig soll sie zusätzlich als dreidimensionale Darstellung verfügbar sein.
 
Angesichts steigender Temperaturen weist das Umweltamt darauf hin, dass Hitzeperioden häufig mit einer erhöhten Gefahr von Starkregen einhergehen. Innerhalb weniger Stunden könne dabei so viel Niederschlag fallen wie sonst in einem ganzen Monat. Erst kürzlich wurde im Einzugsgebiet des Eschbachs das erste Starkregenereignis des Jahres registriert.
 
Die Stadt appelliert deshalb an die Bevölkerung, die eigene Gefährdung zu kennen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Dazu zählen etwa Rückstausicherungen, druckdichte Fenster und Türen oder mobile Hochwasserschutzsysteme. Informationen dazu gibt es auch beim diesjährigen Museumsuferfest Ende August. Dort beraten Fachleute des Umweltamts, der Branddirektion und des HochwasserKompetenzCentrums Köln (HKC) anhand der Starkregengefahrenkarte über individuelle Risiken und geeignete Schutzmaßnahmen.
 
Nach Einschätzung der Stadt bleibt Eigenvorsorge trotz aller Investitionen ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes. Einen vollständigen Schutz vor Extremwetter werde es auch künftig nicht geben. Entscheidend sei daher das Zusammenspiel aus technischer Vorsorge, klimaangepasster Stadtplanung und dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger.
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MAXLOK-Fakten

  • Frankfurt baut den Überflutungsschutz aus – mit technischen Maßnahmen, natürlichen Rückhalteflächen und einem lokalen Starkregen-Frühwarnsystem.
  • Schwammstadt-Konzept wird erweitert – Entsiegelungen, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Retentionsflächen sollen Regenwasser besser speichern.
  • Geoportal wird stark genutzt – Die Starkregengefahrenkarte verzeichnet inzwischen mehr als zehn Millionen Aufrufe und soll künftig auch in 3D verfügbar sein.
  • Stadt wirbt für Eigenvorsorge – Bürgerinnen und Bürger sollen ihre individuelle Gefährdung prüfen und Gebäude mit geeigneten Schutzmaßnahmen sichern.
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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt; Umweltamt; Mobilitätsdezernat