Zukunft der Wohnhäuser am Oeder Weg unklar / Sicherungsarbeiten bis Oktober / Besorgte Mieter im Ortsbeirat
NORDEND - Die Zukunft mehrerer Wohngebäude rund um den Oeder Weg im Nordend bleibt vorerst offen. Nachdem Untersuchungen teils gravierende Mängel an der Bausubstanz ergeben haben, lässt die Eigentümerin Aberdeen Investments Deutschland derzeit drei Gebäude statisch sichern. Bis Oktober sollen die Arbeiten möglichst abgeschlossen sein. Ob die Häuser anschließend saniert, dauerhaft erhalten oder möglicherweise abgerissen werden, ist dagegen weiterhin offen. Dies ist die ernüchternde Lage, die Vertreter des Unternehmens am Donnerstagabend (20. August) in der Sitzung des Ortsbeirats 3 (Nordend) darstellten. Konkretere Aussagen seien allenfalls zum Ende des Jahres möglich, sagte Aberdeen-Vertreter Martin Wengenroth.
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Die Karte zeigt das Areal zwischen Oeder Weg / Adlerflychtstraße und Hermannstraße. Der abgerissene Häuserblock am Oeder Weg 76 / 78 ist hier bereits nicht mehr verzeichnet. Links und rechts des blauen Markers sind die Gebäude der Hermannstraße 42-42b und 46-46b verzeichnet. Betroffen ist auch die Liegenschaft Adlerflychtstraße 35-37 (rechts oberhalb des Markers). Karten: MAXLOK MEDIA / Mapbox
Aberdeen hatte das Häuserensemble mit insgesamt 116 Wohnungen im August 2025 von der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) erworben. Dazu gehören Gebäude an der Hermannstraße und Adlerflychtstraße 35-37sowie ein inzwischen abgerissener Wohnblock am Oeder Weg 76 / 78. Dieser hatte seit 2018 leer gestanden und war wegen seines schlechten baulichen Zustands bereits abgestützt worden. Sein Abriss im März dieses Jahres verstärkte bei Mietparteien der übrigen Häuser die Sorge, dass auch ihren Wohnungen dieses Schicksal drohen könnte.
Dass diese Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen sind, hatte sich kurz darauf bei Untersuchungen in der Adlerflychtstraße 35/37 gezeigt. In einer leerstehenden Wohnung wurden dabei Träger freigelegt. Aberdeen-Projektleiter Wengenroth berichtete von „heftigen Mängeln“: Beton sei teilweise zerbröselt, Bewehrung habe freigelegen oder gefehlt und Träger seien deutlich dünner gewesen als erwartet. Ein eingeschalteter Statiker bezeichnete die Schäden bei einer Informationsveranstaltung im März als gravierend.
Inzwischen liegen auch Untersuchungen der weiteren Gebäude vor. Nach Angaben von Wengenroth wurden die Häuser einschließlich ihrer Keller und Wohnungen dreidimensional vermessen. Dabei habe sich gezeigt, dass die Konstruktion teilweise anders ausgeführt sei als angenommen: Wände stünden nicht überall übereinander, auch Fundamente und Lastabtrag entsprächen nicht durchgehend den ursprünglichen Erwartungen. “Da ist nicht alles so, wie es eigentlich sein müsste”, meinte Wengenroth.
Träger und Stützen vom Keller bis zum Dach
Als Konsequenz werden die Gebäude an der Adlerflychtstraße sowie der Hermannstraße 42-42b und 46-46b nun mit einem System aus Trägern und Stützen gesichert. Diese müssen vom Keller bis in die oberen Geschosse möglichst übereinander angeordnet werden. Die Arbeiten liefen seit 10. August. Die Keller seien bereits abgestützt, in den Wohnungen liefen die Arbeiten sukzessive. Ziel sei es, die Sicherungsmaßnahmen in allen drei Häusern bis Oktober abzuschließen, sagte Aberdeen-Vertreterin Merle Manys.
Für die Bewohner bedeutet das zum Teil erhebliche Einschränkungen, wie sich in der Ortsbeiratssitzung offenbarte. Stützen stehen nicht nur entlang von Wänden, sondern auch in Fluren, Zimmern oder Zugangsbereichen. Im Ortsbeirat beklagten mehrere Mieter, dass die konkrete Ausführung teilweise stärker in die Wohnungen eingreife als nach früheren Informationsveranstaltungen erwartet. Ein Familienvater berichtete etwa von einer Konstruktion, die in den Zugang zur Küche hineinrage.
Aberdeen räumte ein, dass die Wohnungen dadurch erheblich beeinträchtigt werden. Eine komfortable Dauerlösung seien die Stützen nicht. Technisch gebe es derzeit jedoch keine Alternative, so Merle Manys. Für die Bewohner sollen aber individuelle Lösungen gefunden werden; auch werde bei Umräumarbeiten und Einlagerungen Unterstützung angeboten. Mit Mietern, die ausziehen möchten, seien Lösungen vereinbart worden.
Mieter weiter verunsichert
Kritik gab es vor allem an der Kommunikation. Bewohner berichteten von offenen Fragen und Schwierigkeiten, Gesprächstermine zu bekommen. Gefordert wurden unter anderem klare Informationen zu Mietminderungen, Auszugsmöglichkeiten und zur technischen Begründung einzelner Stützen. Ein Mieter berichtete von bis zu sieben Stützen in einer Wohnung. Die Einschränkungen seien erheblich, bekräftigte Kai Schönbach, Leiter der Stabsstelle Mieterschutz.
Nach Darstellung der Eigentümerseite sind die Sicherungsmaßnahmen statisch notwendig und unabhängig überprüft worden. Eine akute Einsturzgefahr bestehe nicht, versicherten die beiden Aberdeen-Vertreter. Wäre die Situation unmittelbar gefährlich, dürften die Gebäude nicht weiter bewohnt werden. Die vorhandenen Deckenkonstruktionen seien jedoch auf Dauer nicht ausreichend belastbar und müssten deshalb gesichert werden. Aberdeen erklärte sich aber zu weiteren individuellen Gespräche mit den Mietern bereit.
Abriss nicht einfach möglich
Was danach geschieht, ist die entscheidende offene Frage. Technische Möglichkeiten und Wirtschaftlichkeit sollen weiter untersucht werden. Dabei ist ein Abriss nicht allein eine Entscheidung des Eigentümers, gab eine Vertreterin der städtischen Bauaufsicht im Ortsbeirat zu bedenken. Die Gebäude liegen im Bereich einer Milieuschutzsatzung. Veränderungen von Wohnraum und insbesondere ein Abriss sind deshalb genehmigungspflichtig. Nach Angaben der Bauaufsicht sind die Hürden dafür hoch; technische und wirtschaftliche Voraussetzungen müssten nachvollziehbar belegt und voraussichtlich erneut unabhängig geprüft werden.
Für die Mietparteien bleibt damit vorerst ein Schwebezustand: Die Häuser werden gesichert, eine langfristige Perspektive gibt es aber noch nicht. Ende des Jahres will Aberdeen nach Abschluss weiterer Prüfungen darlegen, wie es mit den Gebäuden weitergehen soll. An der Stelle des abgerissenen Gebäudes am Oeder Weg entsteht unterdessen ein neues Wohnhaus. Der Rohbau werde bis Oktober abgeschlossen, sagte Wengenroth.
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MAXLOK-Fakten
- Lage der Wohnhäuser: Oeder Weg/Hermannstraße/Adlerflychtstraße, Frankfurt-Nordend
- Eigentümerin: Aberdeen Investments Deutschland
- Vorherige Eigentümerin: Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL)
- Eigentümerwechsel: August 2025
- Größe des Ensembles: ursprünglich 116 Wohneinheiten
- Bereits abgerissen: Wohnblock am Oeder Weg, März 2026
- Aktuell betroffen: drei Gebäude mit auffälliger beziehungsweise mangelhafter Statik
- Aktuelle Maßnahme: Sicherung von Kellern und Wohnungen durch Träger und Stützen
- Geplanter Abschluss: möglichst Oktober 2026
- Entscheidung über die Zukunft: voraussichtlich nähere Aussagen Ende 2026
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Quelle: Sitzung des Ortsbeirats 3 (Nordend)