Neue Preisträgerin: Judith Kuckart wird Stadtschreiberin

15.06.2026
MAXLOK-Redaktion


Autorin und Choreografin soll in Bergen-Enkheim das Stadtschreiberamt 2026/27 übernehmen

BERGEN-ENKHEIM - Die Schriftstellerin, Choreografin und Regisseurin Judith Kuckart wird neue Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim. Die Jury der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim wählte die 1959 in Schwelm geborene Autorin zur Trägerin des traditionsreichen Literaturpreises für die Amtszeit 2026/27. Kuckart folgt auf den Lyriker José F. A. Oliver, der das Amt seit Sommer 2025 inne hat.

Ansicht oben (zur vollen Größe anklickek): Judith Kuckart wird die 53. Trägerin des Literaturpreises. Foto: Martin Rottenkolber
 
Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 20.000 Euro verbunden. Zudem steht der neuen Stadtschreiberin für ein Jahr das historische Stadtschreiberhaus im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim als Wohn- und Arbeitsort zur Verfügung. Die Preisverleihung findet am 28. August im Rahmen des 53. Berger Marktes statt.
 

Besondere künstlerische Handschrift

Die Kulturgesellschaft würdigt insbesondere Kuckarts künstlerische Handschrift. Mit ihrem vielgestaltigen Werk werde sie das Stadtschreiberhaus "An der Oberpforte" mit Romanen, Erzählungen, Theaterstücken sowie Tanzinszenierungen bereichern.
 
Kuckart zählt zu den markanten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Nach einem Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin, das sie mit einer Arbeit über Else Lasker-Schüler abschloss, absolvierte sie eine Tanzausbildung an der Folkwang-Hochschule in Essen. Ihren künstlerischen Weg prägten gleichermaßen Literatur, Tanz und Theater.
 
1984 gründete sie in Berlin das freie Tanztheater „Skoronel", benannt nach der Ausdruckstänzerin Vera Skoronel. Die Kompanie entwickelte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einer festen Größe der freien Tanzszene. Charakteristisch für die Arbeiten war die Verbindung von Körpersprache, Tanz und poetischer Sprache. Bis zur Auflösung des Ensembles 1998 entstanden insgesamt 17 Produktionen. Seit 1999 arbeitet Kuckart als freie Regisseurin und realisierte zahlreiche Theaterprojekte an deutschen Bühnen und Festivals.
 

"Die Welt zwischen den Nachrichten"

Auch in ihrem literarischen Werk bleibt die Nähe zum Theater spürbar. Ihr Debütroman „Wahl der Waffen" erschien 1990. Es folgten unter anderem „Der Bibliothekar", „Lenas Liebe", „Kaiserstraße", „Wünsche" und „Kein Sturm, nur Wetter". Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen „Café der Unsichtbaren" (2022) sowie der Roman „Die Welt zwischen den Nachrichten", der 2024 bei DuMont erschien.
 
Eine besondere Verbindung besteht zudem zu Hessen und den Wiesbadener Literaturtagen. Dort brachte sie 2021 gemeinsam mit dem Hessischen Staatsballett ein Wiedersehen ihres ehemaligen Tanztheaters „Skoronel" auf die Bühne. Unter dem Titel „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht" kehrte das Ensemble nach mehr als zwei Jahrzehnten noch einmal zusammen.
 

Deutschlands ältester Stadtschreiberpreis

Der Bergen-Enkheimer Stadtschreiberpreis gilt als ältester Stadtschreiberpreis Deutschlands. Seit 1974 wird er jährlich von der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim vergeben. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen bedeutende Namen der deutschsprachigen Literatur wie Wolfgang Koeppen, Peter Härtling, Eva Demski, Robert Gernhardt, Herta Müller, Thomas Lehr und Marion Poschmann. Die Jury setzt sich traditionell aus Bürger- und Fachjuroren zusammen.
 
Mit Judith Kuckart erhält nun eine Künstlerin die Auszeichnung, die Literatur, Tanz und Theater seit Jahrzehnten auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet und deren Werk weit über Genregrenzen hinausreicht.
 
 

MAXLOK-Fakten

  • Judith Kuckart ist zur Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim für 2026/27 gewählt.
  • Der Literaturpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und umfasst ein einjähriges Wohn- und Arbeitsstipendium im Stadtschreiberhaus.
  • Kuckart ist als Schriftstellerin, Choreografin und Regisseurin bekannt und gründete 1984 das Tanztheater Skoronel.
  • Die Preisverleihung erfolgt am 28. August 2026 im Rahmen des Berger Marktes.

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