Land und Stadt starten Sofortprogramm gegen Drogenszene und Kriminalität
BAHNHOFSVIERTEL - Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen wollen mit einem Sofortprogramm auf die angespannte Situation im Bahnhofsviertel reagieren. Bei einem Spitzengespräch des Lenkungskreises haben Vertreterinnen und Vertreter beider Ebenen am Freitag Maßnahmen beschlossen, die kurzfristig für mehr Sicherheit und Ordnung sorgen sollen. Gleichzeitig betonen Land und Stadt, dass die Probleme im Viertel nicht durch einzelne Schritte schnell gelöst werden können.
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Kriminalität und Drogenszene beherrschen das Frankfurter Bahnhofsviertel. Das ramponierte Bild des kleinen Stadtteils soll nun durch ein Sofortprogramm aufpoliert werden. Foto: Pexels
Nach Einschätzung der Verantwortlichen haben die bisherigen Maßnahmen zwar Wirkung gezeigt, zuletzt habe sich die Lage in Teilen des Bahnhofsviertels jedoch wieder verschärft. Besonders betroffen sei der Bereich rund um die Niddastraße. Baustellen und Straßensperrungen hätten dazu geführt, dass sich die offene Drogenszene stärker auf engem Raum konzentriere. Dadurch seien neue Konflikte und zusätzliche Belastungen für Anwohner, Gewerbetreibende und Besucher entstanden.
Der hessische Innenminister Roman Poseck verwies auf Fortschritte der vergangenen Jahre. Durch verstärkte Kontrollen, Videoüberwachung, Waffenverbotszonen und eine konsequentere Strafverfolgung seien Straftaten im Viertel zurückgegangen. Besonders die Straßenkriminalität habe sich zuletzt reduziert. Gleichzeitig bleibe die Drogenproblematik eine zentrale Herausforderung.
Waffenverbotszone wirkt
Oberbürgermeister Mike Josef bezeichnete die geplante Polizeiwache im Bahnhofsviertel als wichtigen Schritt für mehr Sicherheit. Neben der neuen Wache seien bereits weitere Maßnahmen umgesetzt worden, darunter die Einrichtung einer Waffenverbotszone, zusätzliche Reinigung, Verbesserungen an bestehenden Hilfeangeboten sowie eine stärkere Kontrolle von Gewerbebetrieben.
Das nun beschlossene Sofortprogramm für den Sommer 2026 umfasst mehrere Bereiche. Dazu gehört zunächst eine Überprüfung der Baustellensituation. Gehwege sollen möglichst weniger eingeschränkt werden, um eine weitere Verdichtung problematischer Bereiche zu vermeiden. Zudem sollen Reinigung und Toilettenangebote verbessert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Polizei- und Kontrollmaßnahmen. Die mobile Polizeiwache soll dauerhaft etabliert werden, außerdem suchen Stadt und Land nach einem geeigneten Standort für eine feste Polizeiwache im Bahnhofsviertel. Polizei, Ordnungsamt und weitere Behörden sollen gemeinsame Kontrollaktionen verstärken – unter anderem gegen illegales Glücksspiel, Schwarzarbeit und Verstöße im Zusammenhang mit Drogenhandel.
Einsatz von KI wird geprüft
Auch die Strafverfolgung soll beschleunigt werden. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte wollen Verfahren insbesondere bei kleineren und mittleren Delikten effizienter bearbeiten. Zusätzlich sollen Möglichkeiten für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Auswertung von Massendaten geprüft werden.
Neben Sicherheitsmaßnahmen setzt das Programm auch auf soziale Hilfen. Geplant beziehungsweise weitergeführt werden unter anderem Maßnahmen der Suchthilfe, eine Crack-Substitutionsstudie sowie eine stärkere Zusammenarbeit der beteiligten Behörden bei psychisch belasteten Risikopersonen. Auch Angebote für wohnungslose Menschen sollen weiter ausgebaut werden.
Ansicht oben: Oberbürgermeister Mike Josef und Innenminister Roman Poseck erläutern vor Medienvertretern das Sofortprogramm. Foto: Stadt Frankfurt / Isaak Papadopoulos
Land und Stadt betonen, dass Hilfe für suchtkranke und wohnungslose Menschen sowie ein konsequentes Vorgehen gegen Straftäter zusammengehören. Die langfristige Verbesserung des Bahnhofsviertels brauche jedoch Zeit. Das Sofortprogramm solle kurzfristig Entlastung schaffen, während strukturelle Maßnahmen weiter umgesetzt werden.
MAXLOK-Fakten
- Land und Stadt starten ein Sofortprogramm für das Bahnhofsviertel
- Ziel ist eine kurzfristige Verbesserung der Sicherheitslage angesichts einer zuletzt wieder angespannten Situation.
- Mehr Polizei, Kontrollen und schnellere Strafverfolgung
- Mobile Polizeipräsenz wird verstetigt, eine feste Polizeiwache ist geplant. Behördenübergreifende Kontrollen sollen ausgeweitet werden.
- Baustellen und öffentliche Belastungen sollen reduziert werden
- Baustellenflächen, Reinigung und Toilettensituation werden überprüft und angepasst.
- Sicherheitsmaßnahmen werden mit Sozial- und Suchthilfe kombiniert
- Ausbau von Hilfsangeboten, Suchthilfeprojekten und Unterstützung für wohnungslose Menschen bleiben Bestandteil der Strategie.
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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt; Hessisches Innenministerium;