Frankfurts Millionen-Netz leuchtet

13.08.2026
Von Bernd Günther


Kunstwerk "A Sky Full of Hope" auf der Konstablerwache  begeistert am Eröffnungsabend

FRANKFURT -  Am Ende ist es der Wind, der einen Teil der Inszenierung übernimmt. Ganz leicht bewegt er das riesige Netz über den Köpfen der Menschen. Licht läuft durch die farbigen Fasern, Klänge ziehen über den Platz. Auf der Konstablerwache, die an gewöhnlichen Abenden eher Durchgangsort als Freiluftbühne ist, sitzen Menschen in Liegestühlen und schauen nach oben. Rund 3000 Besucher sind nach Angaben der Stadt am Dienstagabend gekommen, um die offizielle Eröffnung von „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ zu erleben.

Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Aufblicken und staunen - das Licht- und Klangspektakel lockte zur Eröffnung rund 3000 Menschen. Foto: Stadt Frankfurt / Holger Menzel

Damit hat eines der derzeit meistdiskutierten Kunstprojekte Frankfurts seine Premiere gefeiert. Die mehr als 200 Quadratmeter große Netzskulptur der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman hängt in mehr als sieben Metern Höhe über dem Plateau der Konstablerwache. Sie soll dort zunächst drei Jahre bleiben, während der Wintermonate allerdings jeweils abgehängt werden.

 

Im Liegestuhl unter dem Netz

Schon am Nachmittag sind die Liegestühle unter dem Netz weitgehend besetzt. Später wird es voll auf dem Platz. Um 21.30 Uhr beginnt die eigens von Echelman kuratierte Illumination. Lichtwellen wandern über die Konstruktion, dazu erklingt über ein 360-Grad-Audiosystem eine Komposition des Musikproduzenten und Sounddesigners Parviz Mir-Ali. Für eine halbe Stunde zeigt sich ziemlich genau jene Wirkung, die sich die Verantwortlichen von dem Projekt versprechen: Menschen bleiben auf der Konstablerwache nicht nur stehen – sie machen es sich dort gemütlich.

 





Ansichten oben: Aufnahmen vom Kunstwerk und vom Eröffnungsabend. Fotos: Stadt Frankfurt / Holger Menzel

Ob daraus dauerhaft mehr wird, muss sich erst zeigen. Denn das schwebende Netz ist nicht nur Kunstwerk, sondern auch ein Versuch, einen seit Jahren als wenig einladend geltenden zentralen Platz aufzuwerten. Unter der Skulptur sollen künftig Kultur, Sport und gemeinschaftliche Aktionen möglich sein. Vorbilder gibt es in London, Sydney und Vancouver, wo Echelmans Installationen ebenfalls öffentliche Räume überspannen.

 

Kritik ebbt nicht ab

Zugleich begleitet das Projekt eine Debatte über Kosten und Prioritäten. Kritiker stellen insbesondere die Ausgaben für das Kunstwerk infrage und verlangen Transparenz darüber, wie viel die Installation die öffentliche Hand insgesamt kostet. Gerade angesichts der angespannten Frankfurter Haushaltslage dürfte diese Diskussion mit der Eröffnung nicht beendet sein. Am Dienstagabend ist die Kritik zumindest optisch präsent, ohne die Veranstaltung zu bestimmen: Während oben das Netz leuchtet, feiern unten Tausende seine Premiere.

Oberbürgermeister Mike Josef greift die grundsätzliche Debatte in seiner Rede auf. In Zeiten globaler Krisen und gesellschaftlicher Polarisierung könne man fragen, wer noch Kunst brauche. Seine Antwort fällt eindeutig aus: Kunst dokumentiere Geschichte, kritisiere Missstände und ermögliche gesellschaftliche Selbstreflexion. Über die Bedeutung einzelner Werke könne man diskutieren, auf Kunst insgesamt aber nicht verzichten.

 

Viel Symbolik

Auch die Symbolik der Installation ist politisch aufgeladen. Das Netz mit seinen zahlreichen miteinander verbundenen Fasern soll für den Zusammenhalt einer Stadt stehen, in der Menschen aus 178 Nationen leben. Das Werk gehört zu Echelmans „Earthtime“-Serie. Seine Form basiert auf Messdaten der Wellenbewegungen nach dem schweren Tōhoku-Seebeben 2011 vor Japan. Die Zahl 1,78 verweist auf die 1,78 Mikrosekunden, um die sich infolge des Bebens durch eine Veränderung der Erdrotation die Tageslänge verkürzt haben soll.

Rund 103 Kilometer Garn stecken in der Konstruktion. Hochfeste Polymerfasern bilden das tragende Netz, daran hängen farbige, bis zu 4,5 Meter lange Segmente. Wind, Wetter und Licht verändern die Erscheinung ständig.

Echelman selbst wünscht sich, dass die Frankfurter den Raum unter ihrem Werk in Besitz nehmen. Genau darin liegt nun der eigentliche Test für „A Sky Full of Hope“. Die erste Nacht hat gezeigt, dass die Konstablerwache für einige Stunden tatsächlich anders funktionieren kann. Ob aus der gelungenen Inszenierung ein dauerhafter Gewinn für den Platz wird – und ob die Frankfurter diesen für angemessen halten –, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

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MAXLOK-Fakten

  • Kunstwerk: „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“
  • Künstlerin: Janet Echelman, USA
  • Ort: Konstablerwache, Frankfurt
  • Laufzeit: zunächst drei Jahre, mit Abbau während der Wintermonate
  • Größe: mehr als 200 Quadratmeter
  • Höhe: mehr als sieben Meter über dem Platz
  • Material: hochfeste Polymerfasern und farbige Netzsegmente
  • Garn: rund 103 Kilometer
  • Hintergrund: World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026

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