In Höchst lagerten die ersten Römer

24.03.2026
MAXLOK-Redaktion


HÖCHST - Außergewöhnliche Funde im Garten des Höchster Bolongaropalasts bieten eine neue Sicht auf Frankfurts römisches Erbe. Im Zuge der Renovierungsarbeiten am Bolongaropalast in Höchst wurden im anliegenden Palastgarten Ausgrabungen vorgenommen. Dabei stießen die Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege auf beeindruckende Funde: Unter dem Bolongaropalast liegen die Reste einer einzigartigen römischen Fundstelle, genauer gesagt: das Lager der ersten Römer in Frankfurt am Main.

Ansicht oben: Die Ausgrabungsstätte im Garten des Bolongaropalastes in Höchst. Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß

Innerhalb dieses frührömischen Lagers wurden diverse Fundstücke geborgen. Dazu zählen unter anderem Luxusgüter wie Münzen aus Frankreich und Belgien sowie südgallische Keramik. Die gefundenen Gegenstände geben Aufschluss über den inneren Aufbau römischer Kastelle vor Ort.

Funde von überregionaler Bedeutung

„Wir freuen uns über ein einzigartiges Zeitzeugnis aus der frührömischen Zeit hier in Höchst. Reste eines Militärlagers um das Jahr 0 sind auch überregional von Bedeutung", meinte Oberbürgermeister Mike Josef bei der Präsentation der Ausgrabungsstücke. Anhand dieses Fundplatzes lasse sich nicht nur die Entwicklung und Ausdehnung des Römischen Reiches nachverfolgen, sondern auch ein Stück Geschichte der Stadt Frankfurt, so Josef weiter. Er lobte die gute Zusammenarbeit von Hauptamt, Grünflächenamt und Denkmalamt bei diesem Projekt.

Seit 2016 begleitet die Bodendenkmalpflege die Sanierung des Gebäudekomplexes und des Bolongarogartens. Dabei sind die zahlreichen Erdeingriffe mit wissenschaftlichen Ausgrabungen begleitet worden. Neben kleinteiligen Leitungsstrecken wird derzeit eine Flächengrabung im Rahmen der Gartengestaltung durchgeführt. Der Stadtteil Höchst ist dicht bebaut, sodass Experten es einen großen Glücksfall nennen, dass im Bolongarogarten ein derartiges Kulturdenkmal gefunden wurde.

Keine Hinweise auf kämpferische Handlungen

Die Leiterin des Denkmalamtes, Andrea Hampel, zeigte sich ebenso begeistert. „Wir alle haben Asterix und Obelix oder den Teutoburger Wald im Hinterkopf, wenn wir an die Eroberung Germaniens durch die Römer denken. Die archäologischen Ausgrabungen im Bolongarogarten konnten bislang keine Hinweise auf kämpferische Handlungen oder Zerstörung finden, sondern durch einheimische Keramik und Essgewohnheiten Hinweise auf Kontakt und Kooperation", so Hampel.

 


"Für Frankfurt müssen wir also unseren Blick auf die Zeit des ersten Kontakts zwischen Römern und ‚Frankfurtern‘ überdenken. Er war vielleicht weit friedvoller und neugieriger als bislang angenommen." Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts


Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts, und Oberbürgermeister Mike Josef während der Vorstellung der Funde. Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß


 

Die Ausgrabung wird durchgeführt von der Bodendenkmalpflege. Beteiligt sind Elke Sichert, Archäologin und Leiterin der Bodendenkmalpflege, sowie Denis Neumann und Rolf Skrypzak, Grabungstechniker und örtliche Grabungsleitung.

Lager in Höchst bildet eine Ausnahme

Frührömische Lager seien ein Zeichen für die römische Eroberungspolitik unter Kaiser Augustus. Archäologisch seien sie häufig kaum nachweisbar, da sie nur kurzfristig bestanden und kaum datierbare Funde lieferten, so die Experten der Bodendenkmalpflege. Das Lager in Höchst bilde aber eine Ausnahme: Hier seien die Römer nicht nur kurzfristig gewesen, sondern sie hatten sich an diesem strategisch klugen Posten für mehrere Jahre eingerichtet.

Der Standort bot Zugang zu Nidda und Main, eine Erhöhung für perfekte Sicht, einen Anschluss an das Wegenetz und eine gute Verbindung zu anderen römischen Stationen.

 



Münzen aus Lugdunum  gehören zu den Ausgrabungsstücken. Lugdunum war der antike lateinische Name des heutigen Lyon. Mit Blick auf die Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Lyon also ein ganz besonderer Fund. Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß 


 

Die Leiterin des Denkmalamtes hatte jüngst schon in der Sitzung des für Höchst zuständigen Ortsbeirats 6 (westliche Stadtteile) von den Funden geschwärmt, die im Zuge der Gartensanierung gemacht worden seien. "Unter dem Bolongaropalast verbergen sich rund 2000 Jahre Geschichte", hatte Hampel gesagt. Die Römer hätten enorm viel Material zurückgelassen.

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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt, Ortsbeirat 6 (westliche Stadtteile)