Stadt setzt nun Locktauben ein

22.07.2026
Von Bernd Günther


Stadt hält am umstrittenen Standort des Taubenhauses fest / Ortsbeirat plädiert für Umzug

BOCKENHEIM - Frankfurt unternimmt bei der Regulierung der Stadttaubenpopulation neue Schritte. Am Taubenhaus auf dem Alten Friedhof in Bockenheim werden in den kommenden Tagen sogenannte Locktauben eingesetzt. Ziel ist es, die bislang frei lebenden Stadttauben dauerhaft an den betreuten Schlag zu gewöhnen und damit die Population tierschutzgerecht zu steuern. 

Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Nicht immer willkommen - die Stadt will der wachsenden Population an Stadttauben Herr werden. Ein neuer Schritt ist der Einsatz von Locktauben. Foto: Ahmet Kurt über Pexels

Die Methode basiert auf einem einfachen Prinzip: Junge, geschlechtsreife Tauben werden zunächst vorübergehend im Taubenhaus untergebracht. Ähnlich wie Brieftauben prägen sie sich den Schlag als Heimat ein und kehren nach ihren Freiflügen selbstständig dorthin zurück. Später ziehen sie dort ihren Nachwuchs auf. Dessen Rufe sollen weitere Stadttauben aus der Umgebung anlocken und das Taubenhaus schrittweise als Brut- und Aufenthaltsort etablieren.

Während der Eingewöhnungsphase stehen die Tiere unter täglicher Kontrolle. Die Versorgung mit Futter und Wasser übernimmt das Frankfurter Stadttaubenmanagement. Damit die frei lebenden Tauben den Standort weiterhin anfliegen, wird die Fütterung vorübergehend auf dem Dach des Taubenhauses fortgesetzt. Das Innere des Taubenhauses bleibt zunächst ausschließlich den Locktauben vorbehalten. Sobald das Taubenhaus von der örtlichen Population angenommen wird, soll dort das eigentliche Ziel des Projekts umgesetzt werden: die kontrollierte Regulierung der Bestände durch den Austausch gelegter Eier gegen Attrappen.

 

Wirksame und tiergerechte Methode

Dieses Verfahren gilt unter Tierschutzfachleuten als eine der wirksamsten und zugleich tiergerechtesten Methoden zur Begrenzung von Stadttauben. Es verhindert Nachwuchs, ohne die Elterntiere zu schädigen oder ihr Brutverhalten abrupt zu unterbrechen.Das Projekt wird gemeinsam vom Frankfurter Stadttaubenmanagement, dem Maintauben Tierschutzprojekt und der GWR umgesetzt und von der Veterinärabteilung des Ordnungsamts fachlich begleitet.

Frankfurt verfolgt bereits seit mehreren Jahren eine Strategie mit betreuten Taubenhäusern. Anders als frühere Ansätze, bei denen Tauben vertrieben oder deren Fütterungen verboten wurden, setzen viele deutsche Städte inzwischen auf dieses Modell. Fachverbände und Tierschutzorganisationen bewerten betreute Taubenhäuser überwiegend als nachhaltigste Lösung, da sie die Tiere an festen Standorten versorgen, Verschmutzungen im öffentlichen Raum verringern und zugleich eine kontrollierte Bestandsentwicklung ermöglichen.

Studien und Erfahrungen aus Städten wie Augsburg, Basel oder Köln zeigen, dass sich die Population auf diese Weise langfristig reduzieren lässt, sofern ausreichend betreute Taubenhäuser vorhanden sind und konsequent Eiertausch betrieben wird. Mit dem Einsatz der Locktauben hofft die Stadt nun, dass auch das Taubenhaus am Alten Friedhof zu einem dauerhaft angenommenen Standort wird und so zu einer tierschutzgerechten Entlastung des Quartiers beiträgt.

 

Widerstand des Ortsbeirats

Die Maßnahme dürfte allerdings die Diskussion um den Standort des Taubenhauses erneut anheizen. In seiner jüngsten Sitzung hatte sich der für Bockenheim zuständige Ortsbeirat 2 mehrheitlich dafür ausgesprochen, das Taubenhaus auf dem Alten Friedhof zeitnah abzubauen und an einen aus seiner Sicht geeigneteren Standort zu verlagern.

Nach Auffassung des Gremiums eignet sich die Grünanlage wegen ihrer hohen Aufenthaltsqualität und der intensiven Nutzung durch Anwohner, Familien und Erholungssuchende nicht für ein Taubenhaus. Die Kommunalpolitiker kritisierten zudem, dass die Anlage ursprünglich aus dem Gallus nach Bockenheim-Süd verlagert worden sei, ohne die Interessen des Stadtteils ausreichend zu berücksichtigen.

Nach einem Umzug soll die frei werdende Fläche wieder als naturnahe Grün- und Aufenthaltsfläche – unter anderem als Spiel- und Tobewiese für Kinder – genutzt werden. Demgegenüber hält der Magistrat an seiner Strategie fest, betreute Taubenhäuser als zentrales Instrument einer tierschutzgerechten und langfristigen Regulierung der Stadttaubenpopulation auszubauen.

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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt; Ortsbeirat 2;