Frankfurt übernimmt das Kulturdenkmal / Ankauf vom Magistrat beschlossen
RÖDELHEIM - Die Stadt will die Zukunft des kulturhistorisch bedeutenden Petrihauses in Rödelheim dauerhaft sichern. Der Magistrat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, das Erbbaurecht und damit das Gebäudeensemble samt Inventar vom Förderverein Petrihaus zu erwerben. Der Beschluss muss noch von den Stadtverordneten bestätigt werden.
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Architektonische Pracht an der Nidda - das Petrihaus am Rödelheimer Wehr am Brentanopark. Foto: AdobeStock 177433280 / Helmut Vogler
Hintergrund der Übernahme sind wirtschaftliche Schwierigkeiten des Fördervereins. Nach den Belastungen während der Corona-Pandemie und angesichts steigender Unterhaltskosten war der Betrieb nach Angaben der Stadt langfristig nicht mehr gesichert. Seit 2023 hatten Stadt und Verein deshalb nach einer Lösung gesucht.
Zeugnis der Romantik in Frankfurt
Das denkmalgeschützte Petrihaus gegenüber dem Brentanopark gehört zu den bedeutenden Zeugnissen der Romantik in Frankfurt. Georg Brentano erwarb das Anwesen 1819 und machte es zu einem Treffpunkt des kulturellen Lebens. Zu den Gästen gehörten unter anderem Clemens Brentano, Bettine von Arnim, Friedrich Carl von Savigny und Johann Wolfgang von Goethe.
Eine weitere Besonderheit steht unmittelbar am Haus: Auf dem städtischen Grundstück wächst ein rund 260 Jahre alter Ginkgo, der als ältester Ginkgo Europas gilt. Der als Naturdenkmal geschützte „Goethe-Ginkgo“ könnte Goethe zu seinen Ginkgo-Versen im „West-östlichen Divan“ angeregt haben.
Dass das Petrihaus heute überhaupt noch als Kulturort genutzt werden kann, ist wesentlich dem Förderverein zu verdanken. Der Rödelheimer Bürger und frühere Fraport-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender gründete ihn 1998. Mit Unterstützung von Fraport und privaten Spendern wurde das zuvor lange leerstehende Gebäude denkmalgerecht saniert und 2003 wieder geöffnet. Heute gibt es dort Konzerte, Lesungen, Führungen und museale Veranstaltungen.
Förderverein bleibt engagiert
Zwischen 2017 und 2019 kam das „Atelierhaus Wolfgang Steubing“ hinzu. Das moderne Veranstaltungsgebäude bietet Platz für rund 200 Personen und wurde ebenfalls privat finanziert. Nach der Übernahme soll der Förderverein mit seinen rund 200 aktiven Mitgliedern weiterhin eine Rolle spielen. Die Vereinbarung sieht vor, dass er das Petrihaus an bis zu 20 Tagen und das Atelierhaus an bis zu zehn Tagen pro Jahr kostenlos nutzen kann.
Für das Atelierhaus sucht die Stadt parallel einen Betreiber, der einen dauerhaft wirtschaftlich tragfähigen Veranstaltungsbetrieb sicherstellen soll. Förderverein und Betreiber sollen dabei zusammenarbeiten. Ziel der Stadt ist es, das Ensemble langfristig als Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort für Rödelheim und ganz Frankfurt zu erhalten.
„Dieses Ensemble ist identitätsstiftend für Frankfurt“, begründet Liegenschaftsdezernent Wolfgang Siefert die Entscheidung. Wenn ein solcher Ort in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerate, dürfe die Stadt „nicht einfach zuschauen“.
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Quelle: Presse- und Informationsamt Frankfurt;