"Entsetzen, Trauer, Wut" - Baumskulptur am Merianplatz erinnert an zerstörte Bäume
NORDEND - Ein rund zwei Meter hoher Baumstumpf aus Stahl erinnert auf dem Merianplatz an zwei Platanen, die 2025 einem Giftanschlag zum Opfer gefallen sind. Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) hat die rund 200 Kilogramm schwere Skulptur gemeinsam mit Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) und der Auszubildenden Juliana Güldenberg enthüllt.
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Am Fuß des Mahnmals liegen aus Stahl gefertigte Platanenblätter, die die Worte Entsetzen, Trauer und Wut tragen. Foto: Stadt Frankfurt / Christian Chur
Die beiden mehr als 60 Jahre alten Platanen hatten den Merianplatz an der Berger Straße über Jahrzehnte geprägt. Im Mai 2025 wurde festgestellt, dass Unbekannte die Bäume angebohrt und mit Glyphosat vergiftet hatten. Die Schäden waren so groß, dass die Stadt die Platanen im Juli fällen musste.
Ansicht oben: Nicht aus Holz, sondern aus Stahl gefertigt, präsentiert sich das Mahnmal auf dem Merianplatz im Stadtteil Nordend. Juliane Güldenberg, Auszubildende des Grünflächenamts, hat die Baumskulptur maßgeblich umgesetzt. Foto: Stadt Frankfurt / Christian Chur
Aus der großen Betroffenheit im Stadtteil entstand die Idee, dauerhaft an die Bäume und ihre Zerstörung zu erinnern. Der für das Nordend zuständige Ortsbeirat 3 griff den Vorschlag auf. In enger Abstimmung mit dem Stadtteilparlament entwarfen und bauten Auszubildende des Grünflächenamts die jetzt aufgestellte Skulptur.
Auszubildende fertigte Mahnmal
Einen großen Teil der praktischen Arbeit übernahm Auszubildende Juliana Güldenberg. Mit einem Plasmabrenner schnitt sie Stahlplatten in Streifen und schweißte diese anschließend zu einem Baumstumpf zusammen. Bei der Gestaltung orientierten sich Güldenberg und ihr Ausbilder René Haberhauer an den zerstörten Platanen. Selbst die Bohrstelle, über die das Gift eingebracht worden sein soll, wurde nachgebildet.
Am Fuß der Skulptur liegen aus Stahl gefertigte Platanenblätter. Darauf sind Begriffe wie „Entsetzen“, „Trauer“ und „Wut“ zu lesen. Sie sollen die Reaktionen auf die Zerstörung der Bäume widerspiegeln. Um dem Stahl eine rostbraune, baumähnliche Oberfläche zu geben, wurde er mit Essig und Salz behandelt und anschließend mit Leinöl versiegelt. Durch die Witterung soll sich das Erscheinungsbild weiter verändern.
Rund 100 Arbeitsstunden stecken nach Angaben der Stadt in dem Kunstwerk. Die Material- und Energiekosten blieben unter 1.000 Euro.
Acht Bäume nachgepflanzt
„Die neuen Bäume brauchen viele Jahre, bis sie die Größe und Wirkung der alten Platanen erreicht haben“, sagte Zapf-Rodríguez. Die Skulptur solle deutlich machen, dass Bäume nicht einfach austauschbar seien. Im Ortsbeirat besteht die Erwartung, dass das Kunstwerk dabei helfen kann, die mit der Tat verbundenen Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten.
Parallel hat die Stadt den Merianplatz weiter begrünt. Mehrere Flächen wurden entsiegelt, Sträucher gesetzt und insgesamt acht neue Bäume gepflanzt. Wer die beiden alten Platanen vergiftet hat, ist weiterhin ungeklärt. Die Ermittlungen der Polizei führten bislang nicht zu einem Verantwortlichen.
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