FRANKFURT - Die Kriminalität in Frankfurt bleibt auf hohem Niveau – verändert jedoch ihr Gesicht. Wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 hervorgeht, die Polizeipräsident Stefan Müller am Mittwoch (25. März) vorstellte, wurden im vergangenen Jahr 113.603 Straftaten registriert. Das entspricht einem nur leichten Anstieg um 336 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt stabil bei 62,5 Prozent.
Ansicht oben: Die Zahl der Körperverletzungen ist in Frankfurt im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Die Polizei sieht eine zunehmende gesellschaftliche Verrohung. Symbolbild: Pexels
Während die Gesamtzahlen stagnieren, bereiten der Polizei vor allem gesellschaftliche Entwicklungen Sorgen. Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen stiegen bereits das vierte Jahr in Folge deutlich an. Insgesamt wurden in diesen Bereichen nun 16.005 Delikte erfasst – ein Plus von fast 1.500 Fällen binnen eines Jahres. Polizeipräsident Müller spricht von einer zunehmenden Verrohung: Konflikte eskalierten schneller, die Schwelle zur Gewalt sinke spürbar.
Anwerben von minderjährigen Tätern als brisantes Phänomen
Ein neues und besonders brisantes Phänomen ist das sogenannte „Violence as a Service" (VaaS). Dabei werden – oft minderjährige – Täter gezielt für schwere Straftaten angeworben, teilweise aus dem Ausland. Im Rhein-Main-Gebiet wurden zwischen Juli und September sieben Fälle registriert, darunter Sprengstoffanschläge und schwere Brandstiftungen. Die Ermittlungen gestalteten sich jeweils komplex.
Gleichzeitig kann die Polizei in klassischen Bereichen der Straßenkriminalität Erfolge vorweisen. Die Innenstadtoffensive mit verstärkter Präsenz, Videoschutzanlagen und Waffenverbotszonen zeigt Wirkung: Die Zahl der Straßenraubdelikte ging deutlich zurück, im Bahnhofsgebiet sogar um rund die Hälfte auf 198 Fälle. Zugleich stieg dort die Aufklärungsquote auf über 50 Prozent.
Auch beim Taschendiebstahl gab es einen deutlichen Rückgang. Stadtweit sank die Zahl der Fälle um 22,7 Prozent auf 2.433. Besonders häufig betroffen sind weiterhin Touristen, etwa in Gastronomie und Einzelhandel oder im Gedränge öffentlicher Räume. Die Videoüberwachung hilft laut Polizei zunehmend dabei, Täter zu identifizieren.
Die in Frankfurt ausgewiesenen Waffenverbotszonen zeigen nach Darstellung der Polizei bereits Wirkung. Foto: Pexels
Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei Messerangriffen im öffentlichen Raum. Diese gingen leicht zurück – von 142 auf 120 Fälle. Die Analyse zeigt: In der Mehrheit handelt es sich um Taten innerhalb bekannter Milieus, häufig mit Bezug zur Drogenszene. Waffenverbotszonen erweisen sich hier als wirksames Instrument. Allein im Bahnhofsgebiet stellte die Polizei über 300 Messer sicher.
Ein anderer Schwerpunkt der Polizeiarbeit liegt auf der Bekämpfung des Drogenhandels. Durch verstärkte Kontrollen hat sich die Zahl der registrierten Fälle des Straßenhandels mehr als verdoppelt. Gleichzeitig ging die Gesamtzahl der Rauschgiftdelikte zurück, was die Polizei vor allem auf die veränderte Rechtslage beim Cannabis zurückführt.
Neuer Höchststand bei häuslicher Gewalt
Besonders besorgniserregend bleibt die Entwicklung bei der häuslichen Gewalt. Mit 2.281 Fällen wurde ein neuer Höchststand erreicht – ein Anstieg von 10,7 Prozent. Vier von fünf Opfern sind Frauen. Neben einer gestiegenen Gewaltbereitschaft sieht die Polizei auch eine höhere Anzeigebereitschaft als Grund. Spezialisierte Einheiten setzen verstärkt auf Risikobewertung, Opferschutz und Maßnahmen wie elektronische Fußfesseln.
Auch Sexualdelikte nehmen weiter zu. Insgesamt wurden 1.772 Fälle registriert, ein Plus von 9,2 Prozent. Besonders stark stieg die Zahl von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Belästigung um knapp 30 Prozent. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus.
Einen deutlichen Anstieg verzeichnete Frankfurt zudem beim Wohnungseinbruch. Die Zahl der Fälle stieg um mehr als ein Viertel auf 1.333. Verantwortlich seien vor allem mobile Tätergruppen, die gezielt Regionen abarbeiten.
Rückläufig ist hingegen die Zahl vollendeter Tötungsdelikte. Von 78 Fällen blieben 72 im Versuchsstadium, nur sechs endeten tödlich – elf weniger als im Vorjahr.
Zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte
Zugenommen hat dagegen die Gewalt gegen Einsatzkräfte. 955 Fälle wurden registriert, ebenso wie ein deutlicher Anstieg von Angriffen auf Rettungsdienste. Auch politisch motivierte Kriminalität erreichte mit über 1.000 Fällen einen neuen Höchststand.
Unterm Strich zeigt die Statistik ein ambivalentes Bild: Während gezielte Maßnahmen im öffentlichen Raum greifen, verschärfen sich Gewalt, soziale Spannungen und neue Kriminalitätsformen im Hintergrund. (beg)
MAXLOK-Übersicht
Wichtige Deliktbereiche 2025
Gesamtkriminalität:
•113.603 Fälle (+336)
•Aufklärungsquote: 62,5 %
Rohheitsdelikte (Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung):
•16.005 Fälle (deutlich gestiegen)
Straßenraub:
•564 Fälle gesamt
•Bahnhofsgebiet: 198 Fälle (halbiert)
Taschendiebstahl:
•2.433 Fälle (-22,7 %)
Messerangriffe:
•120 Fälle (-22)
Rauschgiftdelikte gesamt:
•4.152 Fälle (-25,8 %)
•Straßenhandel: 745 Fälle (mehr als verdoppelt)
Häusliche Gewalt:
•2.281 Fälle (+10,7 %)
Sexualdelikte:
•1.772 Fälle (+9,2 %)
Wohnungseinbruch:
•1.333 Fälle (+26,6 %)
Tötungsdelikte:
•78 Fälle, davon 6 vollendet
Gewalt gegen Einsatzkräfte:
•955 Fälle
Politisch motivierte Kriminalität:
•1.003 Fälle (+12,7 %)
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Quelle: Polizeipräsidium Frankfurt / Kriminalitätsstatistik 2025