Die Römerberg-Ikone feiert am Standort Bockenheim
FRANKFURT - Baustellen, Bankenboom und Skyline-Wachstum - vier Jahrzehnte sind in Frankfurt ein Zeitraum, innerhalb dessen die Stadt sich gefühlt komplett wandelt und gerne neu erfindet. Aber es gibt auch Frankfurter Konstanten - wie etwa die Schirn Kunsthalle, die sich in dieser Zeit zu einer der wichtigsten Ausstellungshäuser Europas entwickelt hat.
Seit ihrer Eröffnung am 29. Februar 1986 prägt sie das kulturelle Selbstverständnis der Stadt – als Ort großer Namen, gesellschaftlicher Debatten und überraschender Perspektiven.
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Die Dondorf-Druckerei ist aktuell der Ausweichstandort für die Schirn. Foto: MAXLOK MEDIA
Zum 40-jährigen Bestehen feiert die Schirn nun allerdings nicht an ihrem ikonischen Standort zwischen Römer und Dom. Wegen der laufenden energetischen Sanierung des postmodernen Gebäudes ist die Kunsthalle vorübergehend in die ehemalige Dondorf Druckerei in Bockenheim gezogen.
Beweglich, offen und nahbar
Gerade dieser Ortswechsel passt erstaunlich gut zum Jubiläum: Die Schirn zeigt sich beweglich, offen und nahbar – Eigenschaften, die ihr Programm seit jeher prägen.
Zum Auftakt des Jubiläumsjahrs steht mit „Thomas Bayrle. Fröhlich sein!" ein Künstler im Mittelpunkt, der wie kaum ein anderer für Frankfurt und dessen kulturelle Eigenwilligkeit steht. Bayrles Bildwelten zwischen Konsumkritik, Popästhetik und Massenkultur passen perfekt zu einer Institution, die sich nie allein als ehrwürdiger White Cube verstanden hat.
Die Schirn war immer dann am stärksten, wenn sie Kunst mit Gegenwart verbunden hat – egal ob mit Themen wie Digitalisierung, Politik, Mode oder gesellschaftlichem Wandel. Diese Haltung spiegelt sich auch in den Worten von Oberbürgermeister Mike Josef wider. Er bezeichnet die Schirn als Paradebeispiel für „Kultur für alle" und hebt hervor, wie stark die Institution in die Stadtgesellschaft hineinwirkt.
Über das klassische Kunstpublikum hinaus
Tatsächlich gehört die Schirn längst zu den wenigen Kulturorten Frankfurts, die weit über das klassische Kunstpublikum hinaus Besucher erreichen. Internationale Blockbuster-Schauen trafen hier immer wieder auf experimentelle Positionen, Vermittlungsangebote und Diskursformate.
Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig betont den Mut der Kunsthalle, sich immer wieder neu zu erfinden. Das zeigt sich nicht zuletzt im Jubiläumsprogramm selbst. Statt nostalgischer Rückschau setzt die Schirn auf Begegnung, Beteiligung und Gegenwartskunst.
Am Jubiläumswochenende, 9. und 10. Mai, wird die temporäre Heimat in Bockenheim zum offenen Kulturcampus: mit Performances, Workshops, DJ-Sets und freiem Eintritt. Besonders spannend ist dabei die partizipative Arbeit „Connections (Frankfurt)" der amerikanischen Künstlerin Rosemary Mayer. Zehn individuell gestaltete Helium-Ballons sollen symbolisch Verbindungen sichtbar machen – zwischen Menschen, Orten und Geschichten.
Vereine und Communities aus Frankfurt sind eingeladen, Persönlichkeiten zu würdigen, die ihre Arbeit geprägt haben. Es ist ein Konzept, das hervorragend zur Geschichte der Schirn passt: Kunst nicht als abgeschlossenen Elfenbeinturm zu begreifen, sondern als sozialen Raum.
Reflexion über Kunstbetrieb und Zeitgeschichte
Auch die Jubiläumspublikation denkt diesen Ansatz weiter. Für das Buch „Perfekte Leben" verknüpft die französische Künstlerin Lili Reynaud-Dewar die Geschichte der Schirn mit ihrer eigenen Biografie und entwirft daraus ein sehr persönliches Porträt der Institution. Statt glatter Festschrift entsteht eine Reflexion über Kunstbetrieb, Zeitgeschichte und gesellschaftlichen Wandel.
Dass die Schirn nach 40 Jahren immer noch relevant wirkt, liegt genau darin: Sie versteht Kunst nicht als Dekoration, sondern als Einladung zum Denken, Streiten und Entdecken. Frankfurt hat viele kulturelle Wahrzeichen. Die Schirn aber ist eines der wenigen, das sich permanent verändert – und gerade dadurch geblieben ist - typisch Frankfurt eben.
MAXLOK-Hintergrund
- Gründung: Die Schirn Kunsthalle Frankfurt wurde am 29. Februar 1986 eröffnet.
- Temporärer Standort: Während der Sanierung des Stammhauses am Römer befindet sich die Schirn in der ehemaligen Dondorf Druckerei, am Gabriel-Riesser-Weg 3 in Bockenheim.
- Jubiläumswochenende: Vom 8. bis 10. Mai gibt es Performances, Workshops, DJ-Sets und freien Eintritt zur Ausstellung „Thomas Bayrle. Fröhlich sein!".
- Ausblick: Im Jubiläumsjahr folgen unter anderem die Ausstellungen „The World Through AI" sowie Schauen von Anna Hulačová und Leonor Fini.
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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt; Kulturdezernat