Brandschutz zwingt Frankfurt zum Handeln / Zeltunterkunft in der Eschenheimer Anlage
FRANKFURT - Nach der kurzfristigen Schließung der Notübernachtung für obdachlose Menschen in Frankfurt hat die Stadt innerhalb weniger Stunden eine provisorische Unterkunft in der Eschenheimer Anlage geschaffen. Fünf Zelte mit insgesamt 100 Schlafplätzen stehen in dem Abschnitt der Wallanlage seit Montagabend bereit. Bereits in der ersten Nacht seien alle Plätze belegt gewesen, so die Stadt.
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Blick in eines der Zelte, in denen Feldbetten aufgebaut sind. Der Standort in der Eschenheimer Anlage ist nach Angaben der Stadt eine "absolute Notlösung". Fotos: Feuerwehr Frankfurt
Auslöser für die Räumung der bisherigen Unterkunft in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor war eine neue brandschutztechnische Bewertung. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), die die Fläche an den Frankfurter Verein vermietet hatte, teilte mit, dass die Nutzung als Schlafplatz aus Sicherheitsgründen nicht fortgesetzt werden könne.
Eine aktuelle brandschutztechnische Stellungnahme habe ergeben, dass bei einem möglichen Brand eine Gefährdung von Leib und Leben der dort übernachtenden Menschen bestehe. Hintergrund sei vor allem die Kombination aus einer möglichen schnellen Verrauchung und der Tatsache, dass viele schlafende oder körperlich eingeschränkte Personen nicht unmittelbar fluchtfähig seien. Die VGF erklärte, die festgestellten Risiken seien nicht hinnehmbar.
Sozialdezernat findet kurzfristig keine geeigneten Räume
Die Stadt reagierte kurzfristig. Nach Angaben des Sozialdezernats konnten trotz intensiver Suche keine geeigneten Ersatzräume im Stadtgebiet gefunden werden. Wegen der angespannten Wetterlage und der drohenden Gewitter entschied die Stadt gemeinsam mit der Feuerwehr, eine Übergangslösung im Freien einzurichten.
Ansicht oben: Kurzfristig sind auf den Wiesen der Eschenheimer Anlage fünf Zelte errichtet worden. Foto: Feuerwehr Frankfurt
„Wir haben aufgrund der humanitären Krisensituation eine absolute Notlösung umgesetzt, um die Versorgung der betroffenen Personen sicherzustellen", sagte Markus Röck, Direktor in der Branddirektion. Die Zelte seien derzeit die einzige Möglichkeit gewesen, den Menschen schnell Schutz und Unterstützung anzubieten.
Feuerwehren aus den Stadtteilen am Aufbau beteiligt
Mehr als 60 Einsatzkräfte sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer waren am Aufbau beteiligt. Unterstützt wurde die Feuerwehr unter anderem durch Kräfte des Katastrophenschutzes und Freiwillige Feuerwehren aus mehreren Frankfurter Stadtteilen. Errichtet wurden fünf Zelte mit jeweils 20 Schlafplätzen. Die Ausstattung umfasst Feldbetten, Sitzgelegenheiten und einfache Schlafmöglichkeiten. Zusätzlich wurde ein Versorgungsbereich eingerichtet.
Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl betonte, entscheidend sei gewesen, dass niemand ohne Schutz übernachten müsse. „Unser gemeinsames Ziel war und bleibt, keinen Menschen in unserer Stadt schutzlos zurückzulassen", sagte sie. Mobile Toilettenanlagen sollten nach Angaben der Stadt zusätzlich eingerichtet werden.
Die bisherige Unterkunft am Eschenheimer Tor war Ende 2018 in einer akuten Winter-Notlage geschaffen worden. Die VGF hatte damals einen Teil der weitläufigen B-Ebene abgetrennt und der Stadt zur Nutzung als Notübernachtung überlassen. Betrieben wurde die Einrichtung vom Frankfurter Verein.
Zuletzt standen dort nach Angaben der VGF zwischen 75 und 150 Übernachtungsplätze zur Verfügung. Die tatsächliche Nutzung lag jedoch insbesondere in den Wintermonaten regelmäßig höher. Teilweise hätten bis zu 180 Menschen pro Nacht Schutz gesucht. Eine Ausweitung des Angebots war nach Angaben der VGF geprüft worden, konnte die Sicherheitsprobleme aber nicht lösen.
Die Stadt sucht nun nach einer dauerhaften Ersatzlösung. Dabei spielt die Lage eine zentrale Rolle: Viele obdachlose Menschen seien auf einen gut erreichbaren Standort in der Innenstadt angewiesen, erklärte Voitl. Die Zeltunterkunft in der Eschenheimer Anlage soll deshalb nur eine Übergangslösung bleiben. Wie lange die provisorische Unterkunft bestehen bleibt, ist derzeit offen.
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MAXLOK-Fakten
Provisorische Notunterkunft
- Ort: Eschenheimer Anlage, Frankfurt am Main
- Anlass: Schließung der Notübernachtung in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor wegen brandschutztechnischer Bedenken
- Kapazität: 5 Zelte mit insgesamt 100 Schlafplätzen
- Ausstattung: Feldbetten, Sitzgelegenheiten, Schlafmöglichkeiten, Versorgungsbereich, geplante mobile Toilettenanlagen
- Betrieb: Stadt Frankfurt gemeinsam mit Feuerwehr und Frankfurter Verein
- Dauer: Übergangslösung – Suche nach dauerhaftem Ersatzstandort läuft
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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt; Sozialdezernat; Branddirektion Frankfurt; Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF);