FRANKFURT - Zum Frühlingsempfang der Stadt kamen 800 Menschen ins Palmengarten-Gesellschaftshaus. Mit dem Empfang am Dienstag (24. März) hat die Frankfurter Stadtgesellschaft ein Zeichen der Hoffnung gesetzt gegen Kriege, Unterdrückung und Hass. Es war die fünfte Auflage: 2022 hatte Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg erstmals dazu eingeladen.
Ansicht oben: 800 Bürger und Bürgerinnen der Stadt hatten sich zum Frühjahrsempfang im Gesellschaftshaus im Palmengarten eingefunden. Foto: Stadt Frankfurt / Salome Roessler
In ihrer Rede erinnerte Eskandari-Grünberg an die Themen der bisherigen Frühlingsempfänge: der Krieg in der Ukraine, der Aufstand im Iran nach der Ermordung von Jina Masha Amini, der Terror der Hamas in Israel und Pläne rechtsextremer Parteien zur „Remigration".
„Wo stehen wir heute, im Jahr 2026? Wenn ich ehrlich bin, ist manches immer noch nicht einfach", sagte Eskandari-Grünberg. „Die Kriege dauern an und rechtsextreme Parteien erreichen Zugewinne, alles mit ungewissem Ausgang." Deshalb werde sie den Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus und für mehr Sichtbarkeit und Sicherheit der queeren Community verstärken. „Es geht darum, nicht zu Schweigen, sondern aufzustehen und Haltung zu zeigen. Mit neuer Energie. Mit Mut."
„Demokratie braucht mutige Menschen" war dann auch das Thema einer Podiumsdiskussion.
Was Mut zur Demokratie macht, diskutierten (v.l.) Meteorologin Kathy Schrey, Autorin Barbara Bišický-Ehrlich, Professor Frank Dievernich von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Sanam Sediqi vom Verein „WomenRiseTogether" und die Vorsitzenden von Res Publica Donja Nasiri. Es moderierte ZDF-Moderator Kamran Safiarian. Foto: Stadt Frankfurt / Salome Roessler
Was also macht Mut? Ihr habe es geholfen, eine Resilienz zu entwickeln gegen Rassismus, sagte Sanam Sediqi, die aus Afghanistan floh und heute als Business-Coach bei der Deka-Bank arbeitet. Trotzdem sei ihr Deutschland immer noch fremd. Die im Iran geborene Donja Nasiri sagte, sie habe den Wert der Demokratie durch ihr Fehlen gespürt. Demokratie sei „eine Praxis, die geübt werden muss".
Als Jüdin in Frankfurt zu leben, sei eigentlich wunderbar, sagte Barbara Bišický-Ehrlich, Enkelin von Holocaust-Überlebenden. Seit dem Hamas-Terror erlebe sie jedoch eine große Verunsicherung und Misstrauen. „Ich wünsche mir, dass jüdische Einrichtungen nicht mehr beschützt werden müssen."
„Ich wünsche mir, dass jüdische Einrichtungen nicht mehr beschützt werden müssen." Barbara Bišický-Ehrlich, Enkelin von Holocaust-Überlebenden
Frank Dievernich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, wies darauf hin, dass es in der Demokratie darum gehe, Potenziale zu fördern, die in den Menschen stecken. „Wir müssen dafür sorgen, dass sie Frankfurt zu ihrer Stadt machen." Der Glaube an Heilsversprechen gaukle eine Sicherheit vor, die es nicht gebe, sagte Kathy Schrey, die in einer Sekte aufwuchs und sich als Erwachsene davon löste. Diese Gefahr bestehe auch bei Populisten. „Deshalb müssen wir cleverer werden und den Menschen zuhören." (pia/beg)
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Quelle: Presse- und Informationsamt Frankfurt

