Ausgelesen: Traditionsverlag kehrt Frankfurt den Rücken

17.06.2026
MAXLOK-Redaktion


S. Fischer Verlag verlegt Hauptsitz 2027 nach Berlin / Stadt bedauert Weggang nach fast 80 Jahren

FRANKFURT - Die Buchmesse-Stadt Frankfurt verliert einen renommierten Verlagssitz: Die S. Fischer Verlage werden ihren Hauptsitz im Sommer 2027 von Frankfurt nach Berlin verlegen. Während die Verlagsgruppe den Schritt als strategische Zukunftsentscheidung und Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln bezeichnet, reagiert die Stadt Frankfurt mit Bedauern auf den angekündigten Wegzug.

Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Ausgelesen - die S. Fischer Verlage wechseln vom Main an die Spree. Foto: MAXLOK MEDIA
 
Oberbürgermeister Mike Josef sprach von einem Verlust für den Standort Frankfurt. Besonders schmerzlich sei die Entscheidung, weil es sich um einen Verlag handele, der über Jahrzehnte eng mit der Stadt verbunden gewesen sei. Dennoch bleibe Frankfurt mit der Frankfurter Buchmesse und dem Mediacampus ein bedeutender Anziehungspunkt für die Verlagsbranche.
 

Ein Schlag für die Verlags- und Literaturstadt

Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig äußerte ihre Enttäuschung über die Entscheidung. Für die Verlags- und Literaturstadt Frankfurt sei der Weggang keine gute Nachricht. Zugleich wertete sie die Entwicklung als Ausdruck der tiefgreifenden Veränderungen, denen die Verlagsbranche seit Jahren ausgesetzt ist. Hartwig verwies zudem auf ihre persönliche Verbundenheit mit dem Haus, mit dem sie als Autorin und Literaturkritikerin lange zusammengearbeitet habe.
 
Nach Angaben des Verlags sollen künftig die verlegerischen und marktnahen Bereiche in Berlin gebündelt werden. Bereits heute arbeiten sämtliche Programmleitungen in der Hauptstadt. Mit dem Umzug von Geschäftsführung, Marketing, Vertrieb sowie Presse- und Veranstaltungsabteilungen sollen Entscheidungswege verkürzt und die Zusammenarbeit zwischen Programm und Vermarktung intensiviert werden.
 

1886 von Samuel Fischer in Berlin gegründet

Verlagschefin Christina Dohmann bezeichnete die Verlagerung als „Anknüpfungspunkt und Aufbruch zugleich". Der 1886 von Samuel Fischer in Berlin gegründete Verlag kehre damit an seinen Ursprungsort zurück. Berlin sei heute ein Ort, an dem wichtige gesellschaftliche Debatten geführt würden und an dem sich der Verlag künftig noch stärker positionieren wolle.
 
Gleichzeitig betont die Geschäftsführung, dass Frankfurt weiterhin eine wichtige Rolle spielen werde. Das Frankfurter Lektorat sowie die kaufmännischen Bereiche sollen am Main verbleiben. Die Entscheidung für Berlin sei ausdrücklich keine Entscheidung gegen Frankfurt, erklärte Dohmann. Vielmehr solle die Maßnahme die wirtschaftliche und verlegerische Zukunftsfähigkeit des Hauses stärken. Allen Beschäftigten würden Angebote für einen Wechsel nach Berlin gemacht.
 
Die Stadt Frankfurt verweist ihrerseits auf die weiterhin starke literarische Infrastruktur. Neben der internationalen Frankfurter Buchmesse seien Veranstaltungen wie „Open Books", die „Lyriktage" oder das Literaturfestival „literaTurm" Ausdruck einer lebendigen literarischen Öffentlichkeit. Erst kürzlich habe „literaTurm" mit zahlreichen Autorinnen und Autoren sowie Diskussionen zum Thema Ost-West die hohe Resonanz auf literarische Debatten in der Stadt gezeigt.
 

Neue Römer-Koalition will Buchmesse stärken

Auch künftig wolle Frankfurt seine Rolle als Literaturstandort selbstbewusst ausbauen. Im Koalitionsvertrag der Stadtregierung ist vorgesehen, die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse weiter zu intensivieren und neue Debattenformate zu entwickeln. Hartwig zeigte sich überzeugt, dass die Stadt trotz des Verlusts eines bedeutenden Verlagssitzes ihre Attraktivität als Ort des Lesens, Denkens und gesellschaftlichen Austauschs bewahren werde.
 
Mit der Verlagerung endet für S. Fischer ein Kapitel der Nachkriegsgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Frankfurt zum Zentrum des verlegerischen Wiederaufbaus geworden und über Jahrzehnte Heimat des renommierten Hauses. Künftig wird die verlegerische Leitung von Berlin aus erfolgen – während ein Teil des Unternehmens weiterhin in Frankfurt verankert bleibt.
 

MAXLOK-FAKTEN

  • S. Fischer verlegt seinen Hauptsitz im Sommer 2027 von Frankfurt nach Berlin.
  • Geschäftsführung, Marketing, Vertrieb sowie Presse- und Veranstaltungsabteilungen werden in Berlin gebündelt.
  • Frankfurt behält das Lektorat und die kaufmännischen Bereiche des Verlags.
  • Die Stadt Frankfurt bedauert den Weggang, betont aber ihre weiterhin starke Rolle als Literatur- und Buchmessestandort. 

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Quellen: Presse- und Informationsamt Frankfurt; S. Fischer Verlag