ESCHERSHEIM - Dem für die Stadtteile Dornbusch, Eschersheim und Ginnheim zuständigen Ortsbeirat 9 steht in der neuen Wahlperiode Sabine Ruh von den Grünen vor. Sie folgt Friedrich Hesse ins Amt, der die vergangenen vier Wahlperioden den Ortsbeirat pragmatisch und sachorientiert geführt hatte.
Obwohl die Grünen im Ortsbezirk 9 mit einem Verlust von 4,7 Prozentpunkten und einem Sitz weniger aus der Kommunalwahl herausgekommen sind, haben sie sich nunmehr die Führung im Stadtteilparlament gesichert.
Die Christdemokraten, die wie die Grünen über fünf Ortsbeiratsmandate verfügen, jedoch 3,1 Prozentpunkte hinzugewonnen haben und mit einem dünnen Vorsprung von 0,1 Prozentpunkten vor den Grünen die stärkste Fraktion stellen, gingen bei der Besetzung der Ortsbeiratsspitze leer aus.
SPD nicht an Zusammenarbeit mit CDU interessiert
Um die mögliche Nachfolge von Friedrich Hesse zu regeln, der bereits zur Kommunalwahl nicht mehr angetreten war, hatten die Christdemorkaten nach eigenen Angaben vor der konstituierenden Sitzung versucht, mit der SPD-Fraktion eine Vereinbarung zu treffen. Entgegen dem auf übergeordneter Ebene - im Rathaus Römer - aktuell bestehenden Einvernehmen beider Parteien, waren die Sozialdemokraten im Ortsbeirat für einen Deal mit der CDU aber nicht zu haben.
Die Sozialdemokraten zeigten sich zudem darüber verärgert, dass die Christdemokraten, die eigentlich über die Gespräche vereinbarte Vertraulichkeit, letztlich gebrochen haben.
Taktischer Schachzug ohne Wirkung
Taktisch verzwickt wurde es letztlich bei der Ortsvorsteherwahl: So ließen die Christdemokraten es nicht unversucht, den bisherigen stellvertretenden Ortsvorsteher Rachid Rawas von der SPD für die Ortsbeiratsspitze vorzuschlagen. Rawas sei für das Amt bestens geeignet: Er sei von allen Parteien anerkannt, genieße den Ruf eines Brückenbauers, verfüge über viel Erfahrung in der Ortsbeiratsarbeit und arbeite konstruktiv, sachorientiert und überparteilich, hatte die CDU-Fraktionsvorsitzende Evangelia Georgalis argumentiert.
Eine rundum zutreffende Beschreibung. Eine Kandidatur von Rawas hätte durchaus Aussicht auf Erfolg haben können - aber die Sozialdemokraten wollten hier erstaunlicherweise nicht mitgehen.
Rachid Rawas hätte wohl gern wollen
Auch Rawas selbst wandte zunächst halblaut ein: "Ich habe mich nicht für das Amt vorgeschlagen." Zugleich vermied Rawas es jedoch, den Wahlvorschlag abzulehnen. Auf die unmittelbare Frage des FDP-Ortsvertreters, ob Rawas denn überhaupt Ortsvorsteher werden wolle, antwortete dieser sibyllinisch: "Das muss die Wahlurne entscheiden."
So kam es letztlich zur Wahl zwischen Rawas und Ruh, die Letztere mit der Mehrheit von elf Ja-Stimmen für sich entschied. Rawas erhielt sieben der insgesamt 18 abgegebenen Stimmen. Der Ortsbeirat zählt 19 Mandate, aber Thomas Budenz (BFF) nahm an der Sitzung nicht teil.
Ruh für mehr Bürgerbeteiligung
In der nachfolgenden Wahl des stellvertretenden Ortsvorstehers erhielt Rawas denn aber den Zuschlag - der Theologe und Jugendpädagoge, der stark im Stadtteil Ginnheim und in der dortigen Platensiedlung engagiert ist, wurde einstimmig gewählt und vertritt künftig Sabine Ruh.
Ruh, die nach eigenen Angaben mit ihrer Familie im Stadtteil Eschersheim wohnt, versprach, ein offenes Ohr für die Belange der Bürger haben zu wollen. Auch kündigte sie hierzu "neue Formate" an, ohne jedoch weiter konkret zu werden.
Die CDU-Fraktion (26,6 %) avancierte im Ortsbeirat 9 zur stärksten Fraktion. Den Christdemokraten folgen, mit einem Abstand von nur 419 Stimmen, die Grünen (26,5 %) auf Platz zwei. Diese mussten jedoch einen Verlust von 4,7 Prozentpunkten gegenüber der Kommunalwahl. 2021 hinnehmen. Einen Zugewinn von 3,4 Prozentpunkten konnte die SPD (19,7%) verzeichnen, die nunmehr auf Platz drei rangiert. Die AfD erhielt 5,8 Prozent und einen Sitz.
Ansichten oben: Interaktive Grafiken zum Wahlergebnis 2026 im Ortsbeirat 9 (Eschersheim, Dornbusch, Ginnheim) und den jeweils in das Gremium gewählten Ortsvertretern.
Bei den ursprünglich für den Ortsbeirat 9 gewählten Vertretern hat sich bereits zur konstituierenden Sitzung eine personelle Änderung ergeben. So hat Ingrid Häussler von der FDP ihr erreichtes Mandat nicht angenommen; an ihrer Stelle ist Sven-Erik Holm für die FDP in den Ortsbeirat nachgerückt.
Die Grafik unten zeigt das Wahlergebnis aus dem Jahr 2021. Grafiken: MAXLOK INFO
MAXLOK-Service
Der Ortsbeirat 9 (Eschersheim, Dornbusch, Ginnheim) tagt voraussichtlich wieder am Donnerstag, 18. Juni, um 19.30 Uhr, im Saalbau Dornbusch, Eschersheimer Landstraße 248.
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