Altlasten am Urselbach: Sanierung wohl bis Mitte 2027

26.09.2026
Von Bernd Günther


Belastete Erde weiter vor Ort / Regierungspräsidium nimmt im Ortsbeirat Stellung / Sanierungskonzept

HEDDERNHEIM / ESCHERSHEIM - Die Arbeiten am Urselbach im Frankfurter Norden entwickeln sich zu einer Altlastensanierung. Nach dem Fund von Schwermetallen und organischen Schadstoffen soll zunächst ein Pilotabschnitt des belasteten Bachbetts ausgehoben werden. Bewährt sich das Verfahren, soll die Sanierung auf weitere Abschnitte ausgedehnt werden. Mit einem Abschluss rechnet das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt unter günstigen Bedingungen möglicherweise Mitte 2027.

Über den Stand der Arbeiten informierte Dirk Krebs vom Dezernat Bodenschutz des RP in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 8. Nach seinen Angaben konzentriert sich die festgestellte Belastung nach dem derzeitigen Untersuchungsstand weitgehend auf eine tiefer liegende Schicht der historischen Gewässersohle. Hinweise darauf, dass sich die Kontamination großflächig rechts und links des Bachbetts fortsetzt, hätten die Untersuchungen bislang nicht ergeben.
 
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Die Aufnahme zeigt die Nidda und das Eschersheimer Wehr, in Höhe des Eschersheimer Freibades. Der von Oberursel kommende Urselbach mündet in dem Abschnitt in die Nidda. Bisher ist der Zufluss unterhalb des Wehrs;  im Zuge der Renaturierung wird auch oberhalb des Wehrs ein Zufluss geschaffen. Ziel ist, Fischen die Möglichkeit zu geben, das Wehr flußaufwärts zu umgehen. Im Zuge der Arbeiten am Bachbett ist im Frühjahr die Belastung des Erdreiches festgestellt worden. Foto: MAXLOK MEDIA
 
Als Schadstoffe wurden unter anderem Schwermetalle wie Kupfer sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden. Krebs hält historische Einleitungen aus früheren Industriebetrieben für eine wahrscheinliche Ursache. Einen eindeutigen Nachweis, welcher Betrieb die Belastungen verursacht hat, gebe es allerdings nicht. Nach seinen Angaben dürfte die Schadstoffschicht über Jahrzehnte durch Einleitungen in Urselbach und Nidda entstanden sein.
 
Das Gebiet hat eine lange Industriegeschichte. Unter anderem befanden sich dort die Heddernheimer Kupferwerke und später die Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM); auch ein ehemaliges Gaswerk gehört zu den früher industriell genutzten Flächen. Krebs warnte allerdings davor, die jetzigen Funde unmittelbar mit den bereits sanierten Industrieflächen gleichzusetzen. Für eine eindeutige Zuordnung der Verursacher fehle die Beweiskette.
 

Pilotabschnitt soll Erfahrungen liefern

Das RP hat inzwischen grünes Licht für einen ersten Sanierungsabschnitt gegeben, der zwischen Eschersheimer Wehr und Überfahrt zum Campingplatz gelegen sei.  Dort werde erprobt, wie sich die belastete Schicht ausheben lässt, so Krebs im Ortsbeirat. Die Erfahrungen sollen anschließend auf die weiteren betroffenen Abschnitte übertragen werden. Der Urselbach wird derzeit über den bereits gebauten Umfluter geführt, sodass der zu sanierende Abschnitt weitgehend trocken liegt.
 
Belasteter Aushub wird nach Angaben des RP auf einer eigens eingerichteten Bereitstellungsfläche zwischengelagert. Diese sei nach unten abgedichtet, das Material werde abgedeckt. Nicht jeder auf der Baustelle sichtbare Erdhaufen sei kontaminiert, betonte Krebs. Er trat damit Befürchtungen von Anwohnern der nahe gelegenen Straße An der Sandelmühle entgegen, dass womöglich kontaminiertes Erdreich durch starke Winde in der Umgebung verteilt werden könnte. Teilweise handele es sich um unbelastetes oder neu angeliefertes Material.
 
Vor dem Abtransport müsse belasteter Aushub untersucht und einer geeigneten Entsorgungsstelle zugeordnet werden. Die Bahn ist als Trägerin der Maßnahme für die Organisation der Entsorgung verantwortlich. Für belasteten Aushub bei Altlastensanierungen gelten besondere Vorgaben für Untersuchung und Entsorgung.
 
Krebs widersprach auch Befürchtungen, von der Baustelle gehe derzeit eine Gefahr für Anwohner aus. „Ich sehe hier keine Gefährdung für die Bevölkerung“, sagte er. Bei den Untersuchungen seien keine leichtflüchtigen Stoffe festgestellt worden, die aus dem Boden ausgasen könnten. Die stärker belastete tiefere Schicht liege zudem unter einer weiteren Bodenschicht. Bei trockener Witterung müsse die Baufirma Maßnahmen gegen Staubentwicklung treffen.
 

Ortsbeirat kritisiert Informationspolitik

Deutliche Kritik gab es erneut an der Kommunikation rund um die Funde. Ortsbeiratsmitglied Stephanie Mohr-Hauke (SPD), die auch Anwohnerin ist, beklagte, die Bürger hätten erst über Umwege von der Belastung erfahren. Sie verwies außerdem auf frühere Altlastenfunde und Gutachten aus dem Umfeld und forderte, bei künftigen Baumaßnahmen die industrielle Vergangenheit des gesamten Gebiets stärker zu berücksichtigen.
 
Auch Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU) machte deutlich, dass der Ortsbeirat auch eine bessere Information durch die Deutsche Bahn erwartet. Die Bahn sei ebenfalls zur Sitzung eingeladen gewesen, habe aber nicht teilgenommen. Der Ortsbeirat wolle das Thema bei einem Treffen mit Vertretern der DB InfraGO erneut ansprechen.
 
Die im Sommer öffentlich genannte Größenordnung lag bei rund 3.000 Tonnen belasteter Erde. Damals hatte die Bahn noch erklärt, die Renaturierung könne trotz der Altlasten bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Krebs nannte im Ortsbeirat nun einen vorsichtigeren Zeithorizont: Bleibe die Situation so, wie sie sich nach den bisherigen Untersuchungen darstelle, könne die Sanierung möglicherweise Mitte 2027 beendet werden. Bei Bodensanierungen könne jedoch nie ausgeschlossen werden, dass beim weiteren Aushub zusätzliche Belastungen entdeckt werden.
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MAXLOK-Fakten

  • Sanierung beginnt: Das RP hat einen Pilotabschnitt der Bodensanierung am Urselbach freigegeben. Danach soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.
  • Belastung im Bachbett: Nach bisherigen Untersuchungen konzentrieren sich die stärksten Belastungen auf eine tiefer liegende historische Gewässersohle. Gefunden wurden unter anderem Schwermetalle und PAK.
  • Keine Gefährdung gesehen: RP-Vertreter Dirk Krebs sieht nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine Gefährdung der Bevölkerung. Belastetes Material wird gesichert und abgedeckt zwischengelagert.
  • Zeitplan verschiebt sich: Krebs hält bei günstigem Verlauf einen Abschluss der Sanierung Mitte 2027 für möglich. Im Sommer hatte die Bahn noch eine Fertigstellung des Gesamtprojekts 2026 für realistisch gehalten.
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MAXLOK-Service

  • Ort: Urselbach im Bereich Heddernheim, nahe der Mündung in die Nidda
  • Projekt: Renaturierung des Urselbachs als Kompensationsmaßnahme für den Ausbau der S6
  • Maßnahmenträger: DB InfraGO
  • Behördliche Begleitung Bodensanierung: Regierungspräsidium Darmstadt
  • Belastungen: unter anderem Schwermetalle, darunter Kupfer, sowie Mineralölkohlenwasserstoffe und PAK
  • Menge: bislang öffentlich genannte Größenordnung rund 3.000 Tonnen belastetes Erdmaterial
  • Zwischenlagerung: auf abgedichteter und abgedeckter Bereitstellungsfläche
  • Zeitplan: Abschluss der Sanierung nach RP-Einschätzung möglicherweise Mitte 2027; weitere Funde können den Termin verändern
  • Urselbach: wird während der Arbeiten über den bereits errichteten Umfluter geführt
 
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