Millionenprojekt für die Ernst-May-Siedlung - doch die Parkplätze sorgen für Streit
HEDDERNHEIM / RÖMERSTADT - Die fast 100 Jahre alte Ernst-May-Siedlung Römerstadt soll ein Stück ihres ursprünglichen Erscheinungsbildes zurückerhalten. Drei historische Siedlungsachsen sollen denkmalgerecht saniert und ihre Freiflächen aufgewertet werden. Vertreter des Frankfurter Landschaftsarchitekturbüros grün³ haben die Planungen jetzt gemeinsam mit Stadtplanungs- und Denkmalamt im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) vorgestellt. Bei den Anwohnern sorgt allerdings vor allem eine Frage für Diskussionen: Wie viele Parkplätze bleiben erhalten?
Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Die Römerstadt erstreckt sich parallel zur Nidda von Praunheim bis Heddernheim. Die Siedlung wird flussseitig, wie eine Bastion, von einer Mauer umfasst, von der auf die Niddawiesen geblickt werden kann. Die Straßen verfügen - typisch für die Ernst-May-Siedlungen - über geringe Fahrbahnbreiten mit wenig Raum für Stellplätze. Foto: MAXLOK MEDIA
Die Planungen konzentrieren sich auf drei exemplarische Achsen, die an den Standorten An der Ringmauer 33 und 93 sowie Im Burgfeld 63 auf die Bastionen am Rand der Niddawiesen gerichtet sind. Nach Angaben der Vertreter des Büros grün³ sind die rund 100 Jahre alten Anlagen - mit kleinen platzartigen Endpunkten - inzwischen stark sanierungsbedürftig. Insbesondere die heute kaum genutzten Flächen unter den groß gewordenen Bäumen – überwiegend Linden – sollen instandgesetzt und wieder stärker als gestaltete Freiräume erkennbar werden. Das Büro arbeitet im Auftrag des Stadtplanungsamtes an der Entwurfsplanung.
Städtebauliches Konzept der Römerstadt
Damit geht es nicht allein um neues Grün. Die Siedlungsachsen gehören zum ursprünglichen städtebaulichen Konzept der Römerstadt. Plätze, Wege, Grünflächen und Blickbeziehungen sollen wieder deutlicher hervortreten und zugleich an heutige Anforderungen angepasst werden. Die Römerstadt ist eine der bedeutenden Siedlungen des „Neuen Frankfurt“, die Ende der 1920er-Jahre unter Stadtbaurat Ernst May entstanden.
Für die für 2027 und 2028 vorgesehene Aufwertung stehen nach den im Ortsbeirat vorgestellten Angaben insgesamt rund 5,1 Millionen Euro zur Verfügung: 3,4 Millionen Euro sowie weitere 1,7 Millionen Euro Bundesförderung. Das Vorhaben gehört zum Programm „Nationale Projekte des Städtebaus – Aufwertung der Siedlungen des Neuen Frankfurts“.
Schon im Mai hatte das Stadtplanungsamt die Entwürfe öffentlich gemacht. Beim Tag der Städtebauförderung auf der Bastion Im Burgfeld 63–65 konnten Bewohner die Planungen für Freiflächen und Wegeverbindungen kennenlernen und mit den Planern diskutieren.
Gestaltung auf Kosten von Stellplätzen
Im Ortsbeirat zeigte sich nun, wo Konflikte liegen. Mehrere Anwohner warnten davor, dass die Neugestaltung auf Kosten von Stellplätzen gehen könnte. Schon heute sei die Parkplatzsuche in der Siedlung schwierig. Ein Bewohner berichtete, abends teilweise eine halbe Stunde nach einem Platz zu suchen. Vertreter des Stadtplanungsamtes versicherten, den hohen Parkdruck bei der weiteren Planung so weit wie möglich berücksichtigen zu wollen.
Grundsätzliche Zustimmung gab es dagegen für die geplante Neuordnung der Müllplätze. Tonnen stehen bislang teilweise offen auf den Grünflächen, beeinträchtigen die historischen Blickachsen und waren nach Angaben aus der Sitzung wiederholt Ziel von Brandstiftung oder Ausgangspunkt wilder Müllablagerungen. Die Planer suche hier nach neuen Lösungen und Orten für die Müllcontainer. Doch auch dabei stellt sich für die Bewohner die Frage, wie viele Stellplätze dafür entfallen.
Zur Sprache kam außerdem der Umgang mit den denkmalgeschützten Häusern. Unter anderem soll geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen Photovoltaikanlagen angebracht werden können. Anwohner kritisierten unklare Zuständigkeiten zwischen Fachämtern und der Wohnungsgesellschaft ABG.
Ortsvorsteherin Katja Klenner regte zudem an, dass der Kontakt zur Ernst-May-Gesellschaft aufgenommen, und diese zu den Planungen grundsätzlich gehört werden sollte.
Sanierung der Bastionen und Stützwände
Eng verbunden mit der Gestaltung der Siedlungsachsen ist die Sanierung der historischen Bastionen und Stützwände zum Niddatal. Dabei handelt es sich jedoch um eine eigene, bereits laufende Baumaßnahme. Das Büro grün³ weist darauf hin, dass vor der Herrichtung der östlichen Siedlungsachse zunächst die dortigen Bastionsmauern ertüchtigt werden müssen. Die Stadt nennt für die laufenden Arbeiten an den Bastionen derzeit einen Zeitraum bis Mitte Dezember 2026. Im Zuge der Sanierung werde auch das Schutzgeländer an den Bastionen erhöht, weil der bisherige Fallschutz nicht mehr den Vorschriften entspräche.
Auch diese Baustelle beschäftigte den Ortsbeirat. Auf Antrag der SPD forderte das Gremium den Magistrat einstimmig auf, Beschwerden über Bauschutt, unangekündigtes Betreten von Gärten und beschädigte Pflanzen nachzugehen und auf Fachämter und ausführende Unternehmen einzuwirken.
Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU) wertete es trotzdem als positiv, dass die Planungen für die Siedlungsachsen bereits in diesem Stadium im Ortsbeirat diskutiert werden. Sie mahnte zugleich einen engen Austausch mit Ortsbeirat und Bewohnern an, bevor die konkrete Umsetzung beginnt.
---------
MAXLOK-Fakten
- Drei historische Achsen: Konkret geht es um die Bereiche An der Ringmauer 33, An der Ringmauer 93 und Im Burgfeld 63. Die knapp 100 Jahre alten Freiräume sollen denkmalgerecht saniert und wieder stärker erlebbar werden.
- Historische Gestaltung als Leitbild: Unter den inzwischen großen, überwiegend als Linden beschriebenen Bäumen befinden sich laut Planungsbüro grün³ heute kaum genutzte Flächen. Die historischen Strukturen und Freiräume sollen wieder herausgearbeitet werden.
- Parkplätze als Konflikt: Anwohner fürchten Stellplatzverluste durch die Neugestaltung und durch geplante abschließbare Müllcontainer. Das Stadtplanungsamt will den Parkdruck in der weiteren Planung berücksichtigen.
- Bastionen sind ein eigenes Projekt: Die bereits laufende Sanierung der Bastionsmauern ist Voraussetzung für Teile der späteren Freiflächengestaltung.
-------------
