Frankfurt startet in die Buchmesse

06.10.2026
Von Bernd Günther


Bücher, Bühnen, Begegnungen / Tschechien steht im Mittelpunkt

FRANKFURT - Die Buchmesse beginnt und Frankfurt macht daraus weit mehr als ein Branchentreffen auf dem Messegelände. Von Mittwoch, 7. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober, kommen Verlage, Autorinnen und Autoren, Medienschaffende und Literaturfans aus aller Welt in die Stadt. Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Parallel zur Messe locken 145 Veranstaltungen des Lesefests „Open Books“, zahlreiche Ausstellungen und weitere Kulturangebote in die Innenstadt. Schon seit Ende September weisen 500 Fahnen im Stadtgebiet darauf hin: Frankfurt ist im Buchmesse-Modus.

Ansicht oben (zur vollen Größe anklicken): Frankfurt wird fünf Tage zur Hauptstadt der Bücher. Rund 240.000 Besucher fanden sich vergangenes Jahr auf dem Messegelände ein. Foto: MAXLOK MEDIA

Die Frankfurter Buchmesse gilt als weltweit wichtigstes Treffen der Buch- und Verlagsbranche. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Stadt rund 240.000 Besucherinnen und Besucher sowie fast 8000 Medienvertreter nach Frankfurt. 4.350 Aussteller waren vertreten. Auch 2026 werden wieder Verlage, Autoren sowie Fach- und Privatpublikum aus aller Welt erwartet.
 

Einige Veränderungen für Besucher

Für Besucher gibt es in diesem Jahr allerdings einige Veränderungen. Wegen baulicher Mängel steht Halle 6 nicht zur Verfügung. Internationale Verlage werden deshalb unter anderem in Halle 4.2 untergebracht, weitere Aussteller ziehen in die Festhalle. Auch die „Meet-the-Author“-Stände wechseln wieder ihren Standort und sind auf der Agora zu finden.
 
Das Publikum kann die Buchmesse von Freitag bis Sonntag besuchen, für das Fachpublikum öffnet sie bereits am Mittwoch. Auf dem Programm stehen Lesungen, Diskussionen, Performances und zahlreiche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen. Mehr als tausend Sprecherinnen und Sprecher sind angekündigt. Genres wie New Adult, Dark Romance und Romantasy erhalten erneut viel Raum. Hinzu kommen Angebote für Kinder sowie Manga, Anime, Cosplay und japanische Popkultur.
 

Tschechien ist Ehrengast

Im Mittelpunkt steht 2026 Tschechien. Das Gastland präsentiert sich unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ mit Literatur und Kultur sowie einem eigenen Pavillon. Der tschechische Schwerpunkt reicht weit über das Messegelände hinaus.
 
Zehn Museen und Kulturinstitutionen in Frankfurt und Offenbach greifen Themen aus Tschechien auf. Die Schirn Kunsthalle zeigt mit „Anna Hulačová. Abundantia“ die erste Einzelausstellung der tschechischen Künstlerin in Deutschland. Das Museum für Kommunikation beschäftigt sich unter dem Titel „Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939–1989“ mit verbotenen Texten und dem Widerstand gegen Zensur. Das Deutsche Architekturmuseum wiederum präsentiert mit „MORE IS NOW!“ junge tschechische Architektur.
 
Kulturdezernentin Ina Hartwig sieht im Gastlandauftritt auch ein politisches Signal. Literatur könne Grenzen überwinden und Verständnis für andere Kulturen schaffen. Gerade angesichts von Renationalisierung und Rechtsextremismus komme dem Austausch eine besondere Bedeutung zu.
 

145 Veranstaltungen bei „Open Books“

Nach Messeschluss geht das Literaturprogramm in der Innenstadt weiter. Beim städtischen Lesefest „Open Books“ sind 145 Veranstaltungen vorgesehen. Deutsche und internationale Autoren stellen rund um den Römerberg ihre aktuellen Bücher vor – von Belletristik und Sachbuch über Comics bis zur Kinderliteratur.
 
Zu den etablierten Formaten gehört „Literatur im Römer“. Am Mittwoch und Donnerstag präsentieren jeweils acht Autorinnen und Autoren ab 20 Uhr ihre neuen Romane in den Römerhallen. Für Kinder gibt es am Freitag und Samstag Veranstaltungen unter anderem im Struwwelpeter Museum und in der Deutschen Nationalbibliothek.
 
Auch „Open Books“ setzt einen Schwerpunkt auf Tschechien. Am Mittwochabend ist beispielsweise ein Prag-Abend in der Evangelischen Akademie geplant. Der Eintritt zu sämtlichen „Open Books“-Lesungen ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
 

500 Fahnen bringen die Buchmesse in die Stadt

Sichtbar wird die Verbindung zwischen Frankfurt und der Buchmesse diesmal bereits auf den Straßen. Insgesamt 500 Fahnen im aktuellen Buchmesse-Design hängen seit dem 21. September an Laternenmasten. Zu sehen sind sie unter anderem an Friedrich-Ebert-Anlage, Theodor-Heuss-Allee und Berliner Straße, an Alter Brücke und Friedensbrücke, am Mainkai, am Hauptbahnhof sowie in der Innenstadt.
 
Stadtmarketing und Buchmesse setzen damit ihr viertes gemeinsames Projekt um. Vorausgegangen waren unter anderem die Aktion „75 Stühle – 75 Geschichten“ zum 75-jährigen Bestehen der Messe, „The Great Escape Room“ sowie 2025 die „Jeepney Journey“ zum damaligen Ehrengast Philippinen.
 
Für Buchmessedirektor Juergen Boos ist die diesjährige Ausgabe zugleich eine besondere: Nach 21 Jahren an der Spitze geht er in den Ruhestand. Sein Nachfolger Joachim Kaufmann, zuvor Geschäftsführer des Carlsen Verlags, steht bereits fest.
 
Damit verbindet die 78. Frankfurter Buchmesse einmal mehr internationales Branchentreffen und großes Publikumsfestival. Und wer das Messegelände verlässt, muss die Buchmesse noch lange nicht verlassen: In diesen Tagen wird ganz Frankfurt ein Stück weit zur Literaturstadt.
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MAXLOK-Fakten

  • Termin: Mittwoch, 7. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober 2026
  • Ort: Messe Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 1
  • Fachpublikum: ab Mittwoch
  • Privatpublikum: Freitag bis Sonntag
  • Messeende: Sonntag, 11. Oktober, 17.30 Uhr
  • Ehrengast: Tschechien
  • Open Books: 145 Veranstaltungen rund um den Römerberg und an weiteren Orten
  • Eintritt Open Books: kostenlos, keine Voranmeldung erforderlich
  • Anreise: empfohlen mit S-Bahn und Straßenbahn; vom Hauptbahnhof etwa zehn Minuten zu Fuß
 
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